ein|räumen      ARBEITEN IM MUSEUM                                           60 aktuelle Projekte in der Hamburger Kunsthalle

S u s a n n e   W e i r i c h

geb. 1962 in Unna
Lebt in Berlin

    Trostspender, 1997 Ausstellung >>
 

Susanne Weirichs künstlerische Arbeit reflektiert, wie Sprache im Gebrauch Bedeutung erlangt.
Sie wird zum Material für ihre medialen Umsetzungen.
In Trostspender werden Handtuchspender, die in öffentlichen Waschräumen zu finden sind, zu zweifelhaften Tröstern. Die Routine nach einem Gang auf die Toilette wird nachhaltig gestört, wenn man ihre Papiertaschentuchspender benutzt. Sie sondern nicht nur Wegwerfhandtücher ab, sondern auch auf Band gespeicherte Filmzitate, die drastisch das Abgeputzte wieder einholen.
Die Soundtracks - akustische Zitate aus amerikanischen Filmen wie Killing Zoe oder Pulp Fiction - thematisieren das Wegwischen von Körperflüssigkeiten und Sekreten, von Blut, Tränen, Speichel, Sperma und Urin. Trost spenden die Personen, von denen man es am wenigsten erwartet: ein Callgirl, ein Dealer, ein Killer etc. Nicht die Anschauung, sondern das Benutzen der auf den ersten Blick alltäglichen Gebrauchsgegenstände verwandeln Susanne Weirichs Trostspender in Kunst, die im Funktionsbereich des Museums die routinierte Wahrnehmung irritierend entautomatisiert.